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Vorwort

Vorwort

kapellari

Wer wäre ich gewesen und wie hätte ich mich verhalten, wenn ich vor fast 2000 Jahren dem leidenden und schließlich am Kreuz sterbenden Jesus Christus begegnet wäre? Diese Fragen stellen sich mit besonderer Eindringlichkeit jenen Menschen, die an einem Passionsspiel als Akteure oder als Zuschauer beteiligt sind. Wäre ich ein Mann, eine Frau aus dem Volk gewesen, das teilnahmslos oder verhetzt dem Leiden des Herrn zugeschaut hat? Hätte ich mich verhalten wie Petrus, wie Simon von Kyrene, wie Pilatus oder wie die legendäre Veronika als Trösterin des Herrn? Dies gilt auch für die an den Feldkirchner Passionsspielen Beteiligten und besonders für die 150 dabei ehrenamtlich Mitwirkenden.

Der weltbekannte Schriftsteller Julien Green, Konvertit zur katholischen Kirche, hat in seinen Roman „Jeder Mensch in seiner Nacht“ eine Szene eingefügt, in der ein Mann einem anderen aus der Bibel vorliest: „Dieses aber sind die Namen der zwölf Apostel.......“. Statt aber Judas als zwölften zu nennen, fügt der Vorleser seinen eigenen Namen ein: „....... und James Knight, der ihn verriet“. Und schließlich sagt er „Merken sie sich ........ dass wir alle, wie wir sind, unseren Namen statt den Namen des Judas einfügen könnten. Haben sie sich darüber nie Gedanken gemacht?“

Das Passionsspiel in Feldkirchen will alle Beteiligten dazu anregen, sich solche Gedanken zu machen. Ich danke den Verantwortlichen für den damit verbundenen großen Einsatz, der vielen Menschen zu denken gibt und sie einlädt zu glauben, dass Jesus Christus der wahre Heiland der Welt ist.

Dr. Egon Kapellari
Diözesanbischof Graz-Seckau

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